Beduinenzelte |
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Wenigen Anängern der Nomadenzelt-Wohnkultur werden so reichhaltige Priviligien zu Teil wie dem libyschen Staatsoberhaupt Muammar al Gadhafi, für den bei einer Visite in Rom kurzerhand ein halber Stadtpark abgeriegelt wurde, damit er dort in gewohnter Manier mit seinem Hofstaat im Zelt residieren konnte. Wohlgemerkt geschah der Besuch im Sommer, denn im Gegensatz zu den zentralasiatischen Jurten beinhaltet die traditionelle Wohnkultur nordafrikanischer Nomaden keinerlei Anpassungen gegen kühle Klimata. Beduinen, Berber und Tuareg haben ihre Zelte sind so konzipiert, dass sie notfalls im 24-Stundentakt problemlos auf- und abgebaut werden können. Die Zelte der Tuareg im westlichen Nordafrika etwa haben einen rechteckigen Grundriss von etwa 3 x 4,5 Metern, werden mit Planen aus etwa 30-40 gegerbten und rotgefärbten Ziegenhäuten bedeckt und sind mit Matten aus Palmfaser ausgelegt. Die komplette Behausung mitsamt ihrer Einrichtung kann innerhalb von zwei Stunden reisefertig gemacht werden.
Die klassische Version nomadischer Beduinenzelte im Nahen Osten und in Nordafrika heisst Beit al-Shar - Haus aus Haaren - da sowohl das Seilwerk als auch die Plane (Fala-if) aus Ziegenhaar hergestellt werden. Man schätzt, dass diese Technik seit etwa 4000 Jahren existiert und sich in diesem Zeitraum kaum verändert hat. Eine Plane benötigt mehrere Monate zur Fertigstellung und hat eine Lebensdauer von etwa 5 Jahren. Sie besteht aus einer Vielzahl fest vernähter Streifen aus gewobenem schwarzem Ziegenhaar von 50 cm Breite und zwischen 7 und 20 Metern Länge. Das Material erlaubt Ventilation, lässt aber gleichzeitg kaum Licht durch und sorgt so für kühle Temperaturen im Zeltinneren, welches durch Vorhänge in mehrere mit Teppichen, Kissen und Stickerei luxuriös ausgestattete Wohnbereiche unterteilt ist .Die längliche und mit langen Seilen verzurrte Hinterseite des Zeltes sorgt für Stabilität und Schutz vor Wind. In Europa und den USA gibt es eine Reihe von Anbietern, die qualitativ hochwertige Beduinenzelte aus dem Nahen Osten und Nordafrika beziehen und als Werbeartikel für Events vermieten oder verkaufen. Echte Nomadenzelte bekommt man als Einsteiger auf dem jährlich Ende Dezember im südtunesichen Douz stattfindenden Sahara Festival zu sehen, neben Kamel- und Windhundrennen, traditionellen Hochzeitsfeiern und vielem mehr Kein schlechter Ort für den Erwerb eines Beduinenzeltes aus erster Hand. Haltbare Baustoffe zur Nachahmung von traditioneller Zeltarchitektur wie Stahlbeton und synthetische Membranen aus Fiberglas-Teflon oder Kevlar gibt es erst seit relativ kurzer Zeit, und moderne Zeltarchitekur mit alternativen Baustoffen steckt noch in ihren Kinderschuhen. Zu ihren einflussreichsten Verfechtern gehört der deutsche Architekt und Visionär Frei Otto, dessen bekannteste Werke, das Münchner Olympia Gelände von 1972 und der deutsche Pavillon der Weltausstellung 1967 in Montreal bis heute wegweisend geblieben sind. Es ist sicher kein Zufall, dass man auch im arabischen Raum Bauwerke Frei Ottos (das Konferenzzentrum in Mekka und der Tuwaiq Palace in Riad, Saudi-Arabien) anzutreffen sind. Das Kleinhaus der Zukunft dürfte unter Anwendung ähnlicher Prinzipien (oder gar Frei Ottos Idee vom pneumatischen Haus) in Verbindung mit neuartigen wetterfesten und wärmedämmenden Materialien profitieren (für erste Ansätze siehe zB. hier ..) und dabei das in der tradtionellen Zeltarchitektur mitschwingende nomadische Element zunehmend in den Vordergrund rücken. |
